{"id":1421,"date":"2008-08-22T22:28:13","date_gmt":"2008-08-22T20:28:13","guid":{"rendered":"http:\/\/sommergut.de\/wp\/archives\/heribert-prantls-falsche-hoffnung-fuer-die-zeitung\/"},"modified":"2008-08-22T22:29:13","modified_gmt":"2008-08-22T20:29:13","slug":"heribert-prantls-falsche-hoffnung-fuer-die-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sommergut.de\/wp\/archives\/heribert-prantls-falsche-hoffnung-fuer-die-zeitung\/","title":{"rendered":"Heribert Prantls falsche Hoffnung f\u00fcr die Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Der Tod der Zeitung ist angesichts sinkender Auflagen und R\u00fcckl\u00e4ufiger Leserzahlen schon oft prophezeit worden. Der SZ-Autor Heribert Prantl <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/571\/306531\/text\/\">sagt dem Printmedium aber noch ein langes Leben voraus<\/a>, wenn es sich auf seine St\u00e4rken konzentriert. Dieser Einsch\u00e4tzung liegt jedoch eine beschr\u00e4nkte Sicht auf das Internet zugrunde.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Kernthese von Prantls Beitrag lautet, dass Aktualit\u00e4t noch nie die St\u00e4rke des gedruckten Wortes war, und dass Zeitungen daher in dieser Hinsicht nicht mit dem Internet konkurrieren k\u00f6nnen. Das Online-Medium sei zwar schnell, aber k\u00f6nne <q>in der Hetze der Echtzeit<\/q> wesentliche Dinge nicht leisten: Analyse, Hintergrund, Kommentierung, Sprachkraft, Gr\u00fcndlichkeit und Tiefgang. Das seien origin\u00e4re Tugenden der Zeitung.<\/p>\n<p>Giesbert Damaschke <a href=\"http:\/\/www.damaschke.de\/notizen\/index.php\/prantl-pfeift-im-blatterwald\/\">merkt treffend an<\/a>, dass nichts und niemand einen dazu zwingt, sich an der Hetze zu beteiligen. Das digitale Medium sperrt sich keineswegs gegen anspruchsvolle Berichterstattung. Der <a href=\"\/wp\/archives\/das-elend-des-online-journalismus-klicks-quoten-reizworter\/\">oberfl\u00e4chliche Online-Journalismus<\/a> ist ein Ergebnis \u00f6konomischer Rahmenbedingungen, vor denen auch das Printmedium nicht verschont wird. Prantl selbst liefert das Beispiel der Berliner Zeitung, die zu Lasten des Journalismus auf Rendite getrimmt wird. Nach seiner Sicht handelt es sich dabei aber um einen Versto\u00df gegen ureigenste Qualit\u00e4tsmerkmale der Zeitung, w\u00e4hrend die gleichen Erscheinungen im Internet offenbar eine Eigenheit des Mediums darstellen.<\/p>\n<p>Aufgrund des spezifischen Charakters der beiden Kan\u00e4le bietet sich nach Prantls Ansicht eine ideale Arbeitsteilung zwischen Internet und Zeitung an: Ersteres ist f\u00fcr die schnelle Nachricht zust\u00e4ndig und Zweitere f\u00fcr die Analyse und Reflexion. Naiv an dieser Vorstellung ist vor allem, dass sie das Publizieren in allen Medien weiterhin f\u00fcr eine Dom\u00e4ne des professionellen Journalismus h\u00e4lt. Es geht quasi nur darum, welchen Kanal der Redakateur f\u00fcr welche Inhalte und Darstellungsformen bevorzugen soll. Dabei stellt das Web aber den ohnehin immer schon prek\u00e4ren Status des professionellen Journalisten grunds\u00e4tzlich in Frage. Der Verdr\u00e4ngungswettbewerb zwischen Internet und Zeitung Web findet nicht nur zwischen Online-Journalisten und Print-Redaktionen statt, vielmehr setzen Amateure den Verlagen immer st\u00e4rker zu.<\/p>\n<p>Wie sehr Prantl, einer der wenigen noch lesenswerten SZ-Autoren, von einem \u00dcberlegenheitsd\u00fcnkel des Print-Journalisten beseelt ist, zeigt des Schluss seines Beitrags. Ein Zitat aus der letzten Weltb\u00fchne vom 7. M\u00e4rz 1933 dient ihm dazu, in der Zeitung den Ort des Geistes zu sehen. Und der Geist setzte sich zuletzt nicht nur gegen die Nazi-Barbarei durch, sondern kann der Zeitung auch gegen neue Bedrohungen wie das Internet helfen, aus dem vielleicht nicht der Ungeist, aber die Geistlosigkeit spricht.<\/p>\n<p><b>Siehe auch: <\/b><a href=\"\/wp\/archives\/die-suddeutsche-bekraftigt-ihre-web-inkompetenz\/\">Das SZ-Feuilleton bekr\u00e4ftigt seine Web-Inkompetenz<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tod der Zeitung ist angesichts sinkender Auflagen und R\u00fcckl\u00e4ufiger Leserzahlen schon oft prophezeit worden. Der SZ-Autor Heribert Prantl sagt dem Printmedium aber noch ein langes Leben voraus, wenn es sich auf seine St\u00e4rken konzentriert. 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